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Spermiogramm: Was die Werte wirklich bedeuten.

Wenn es mit dem Schwangerwerden dauert, schauen viele zuerst auf die Frau. Dabei ist bei etwa der Hälfte der Paare auch der Mann beteiligt, allein oder zusammen mit der Frau. Das Spermiogramm ist einfach, schnell und gehört von Anfang an dazu.

Stand: Oktober 2026Lesezeit: 5 Minuten
Kurz gesagt

Das Spermiogramm misst Menge, Anzahl, Beweglichkeit und Form der Spermien. Die WHO-Werte sind keine Grenze zwischen fruchtbar und unfruchtbar, sondern Orientierung. Ein auffälliger Befund wird wiederholt, meist nach etwa drei Monaten, weil die Werte stark schwanken.

Warum das Spermiogramm so früh dazugehört

Bei ungefähr der Hälfte der Paare mit unerfülltem Kinderwunsch ist der Mann zumindest mitbeteiligt. (NCBI StatPearls) Ein Spermiogramm ist schmerzfrei, günstig und liefert in kurzer Zeit wichtige Hinweise. Es lohnt sich deshalb, es nicht erst nach vielen Untersuchungen bei der Frau zu machen, sondern parallel.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Der Mann gibt in der Praxis oder im Labor eine Samenprobe ab. Vorher sollte er zwei bis sieben Tage keinen Samenerguss gehabt haben. Die Probe wird möglichst innerhalb einer Stunde untersucht, deshalb ist die Abgabe direkt vor Ort am zuverlässigsten. Ansprechpartner sind Urologinnen, Andrologen oder das Kinderwunschzentrum.

Welche Werte gelten als normal?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 2021 neue Referenzwerte veröffentlicht. Sie markieren die Grenze, unter der die niedrigsten 5 % der Werte von Männern lagen, deren Partnerin innerhalb eines Jahres schwanger wurde. (Übersicht zum WHO-Handbuch 2021, Studie zu den Folgen der neuen Werte)

WertUnterer Referenzwert (WHO 2021)
Volumen1,4 ml
Konzentration16 Mio. pro ml
Gesamtzahl39 Mio. pro Ejakulat
Beweglichkeit gesamt42 %
Vorwärtsbeweglich30 %
Normale Form4 %

Was bedeuten die Fachbegriffe im Befund?

BegriffBedeutung
NormozoospermieAlle Werte im Referenzbereich
OligozoospermieWeniger Spermien als der Referenzwert
AsthenozoospermieSpermien bewegen sich weniger gut
TeratozoospermieWeniger Spermien mit normaler Form
AzoospermieKeine Spermien im Ejakulat gefunden

Oft tauchen Kombinationen auf, etwa OAT-Syndrom für Oligo-, Astheno- und Teratozoospermie. Der Begriff sagt nur, welche Werte unter dem Referenzwert liegen. Wie stark das eure Chancen beeinflusst, hängt davon ab, wie deutlich die Werte abweichen. Die WHO betont seit 2021, dass diese Begriffe allein keine Diagnose sind.

Was passiert bei einem auffälligen Ergebnis?

Die Werte schwanken von Probe zu Probe stark, zum Beispiel nach Fieber, Stress oder wenig Schlaf. Ein auffälliger Befund wird deshalb wiederholt, meist nach etwa drei Monaten, bei sehr wenigen oder keinen Spermien auch früher. (NICE) Bestätigt er sich, folgt eine Untersuchung beim Andrologen. Je nach Ergebnis kommen eine Insemination, IVF oder ICSI infrage. Bei der ICSI wird ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle gegeben, dafür reichen sehr wenige Spermien.

Kann man die Werte verbessern?

Ein Spermium braucht rund drei Monate, bis es reif ist. Veränderungen wirken also mit Verzögerung. Hilfreich sind: nicht rauchen, wenig Alkohol, ein gesundes Gewicht, Bewegung und Hitze vermeiden, etwa durch den Laptop auf dem Schoß oder sehr häufige Saunagänge. Wichtig: Testosteronpräparate und Anabolika können die Spermienbildung stark bremsen, bis hin zu null Spermien. Nimmt dein Partner so etwas oder andere Medikamente dauerhaft, sollte er vorher unbedingt mit seinem Arzt sprechen.

Wer zahlt das Spermiogramm?

Ist das Spermiogramm medizinisch notwendig, etwa bei unerfülltem Kinderwunsch, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse in der Regel die Kosten. Mit seiner Versichertenkarte kann dein Partner direkt zur Urologin oder zum Andrologen gehen, für ein Labor oder Kinderwunschzentrum braucht er oft eine Überweisung. Wer sich ohne Anlass selbst testen lassen möchte, zahlt je nach Praxis meist einen zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Betrag, frag vorher nach.

Häufige Fragen

Sind Heimtests für Spermien sinnvoll?

Sie zeigen meist nur die Konzentration, manche auch die beweglichen Spermien, und ersetzen kein Spermiogramm im Labor. Als erster Hinweis sind sie okay, für eine Entscheidung nicht.

Wie lange vorher keinen Sex?

Zwei bis sieben Tage. Länger ist nicht besser, weil die Beweglichkeit dann wieder abnehmen kann.

Muss der Partner auch bei einer IVF untersucht sein?

Ja. Für die Kostenübernahme nach § 27a SGB V gehören die Untersuchungen beider Partner dazu.

Allgemeine Information, ersetzt keine ärztliche Beratung.

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